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Ratgeber: Prüfungsformate und Bewertung

Aufbau, Aufgabentypen und Bewertung der vier großen Deutschprüfungen — auf Grundlage der offiziellen Unterlagen des Goethe-Instituts.

Goethe-Zertifikat A1, A2, B1

Aufbau Teil für Teil, Aufgabentypen, Zeiten und Bewertung

Der größte Zeitfresser bei der Prüfungsvorbereitung ist, nicht zu wissen, wie bewertet wird. Wie viele Aufgaben hat welcher Teil, wie viele richtige Lösungen reichen wirklich, welche Regeln setzen die Punktzahl im Schreiben auf null — wer das nicht weiß, lernt im Blindflug.

Dieser Ratgeber stützt sich auf die offiziellen Modellsätze / Übungssätze des Goethe-Instituts und auf die Durchführungsbestimmungen. Keine Vermutungen, kein Hörensagen — jede Tabelle stammt aus einer offiziellen Quelle.

Hinweis zum Umfang

Prüfungsgebühren und Anmeldetermine stehen hier nicht, da sie sich ändern — es geht ausschließlich um Aufbau und Bewertung. Gebühren und Termine finden Sie auf der Seite Ihres örtlichen Goethe-Instituts.

Überblick: A1 – A2 – B1

A1 (Start Deutsch 1) A2 B1 (Zertifikat B1)
Modular?NeinNeinJa
Lesen15 Items · 25 Min.20 Items · 30 Min.30 Items · 65 Min.
Hören15 Items · ca. 20 Min.20 Items · ca. 30 Min.30 Items · ca. 40 Min.
Schreiben2 Aufgaben · 20 Min.2 Aufgaben · 30 Min.3 Aufgaben · 60 Min.
Sprechen3 Aufgaben · ca. 15 Min.3 Aufgaben · ca. 15 Min.3 Aufgaben · ca. 15 Min.
Schriftlich gesamt65 Min. ohne Pause90 Min. ohne PauseModule einzeln
ReihenfolgeHören → Lesen → SchreibenLesen → Hören → Schreibenje nach Modul
Vorbereitungszeit Sprechenkeinekeine15 Minuten
Gesamtpunkte100100100 pro Modul
Bestehensgrenze≥60≥60 + Zusatzbedingung≥60 pro Modul

Drei Zeilen dieser Tabelle bestimmen Ihre gesamte Vorbereitung:

1. Bei A1 ist die Reihenfolge anders. A1 beginnt mit Hören, A2 und B1 mit Lesen. Wer das nicht weiß, erlebt am Prüfungsmorgen eine Überraschung.

2. Nur B1 ist modular. Bei B1 können Sie die vier Fertigkeiten einzeln und an unterschiedlichen Terminen ablegen. Bestehen Sie drei Module und fallen bei einem durch, wiederholen Sie nur dieses eine. Bei A1 und A2 gibt es das nicht — die Prüfung wird als Ganzes bestanden oder nicht.

3. Nur B1 hat eine Vorbereitungszeit. In der mündlichen B1-Prüfung stehen 15 Minuten für Notizen zur Verfügung. Bei A1 und A2 gibt es keine; Sie nehmen die Karte und sprechen sofort.

NIVEAU A1

Goethe-Zertifikat A1 — Start Deutsch 1

A1 bescheinigt, dass Sie die einfachste Alltagskommunikation bewältigen. Die schriftlichen Teile dauern 65 Minuten ohne Pause.

A1 Hören — 15 Items, ca. 20 Minuten

TeilItemsAufgabentypTextsorteWie oft
Teil 11–6Mehrfachauswahl (3), Optionen als Bildkurzer Dialogzweimal
Teil 27–10Richtig / FalschDurchsageeinmal
Teil 311–15Mehrfachauswahl (3), Optionen als TextNachricht auf der Mobilboxzweimal
Entscheidendes Detail

Teil 2 wird nur einmal vorgespielt, die beiden anderen zweimal. Wer beim ersten Hören nachlässt, weil „es ja noch einmal kommt", verliert in Teil 2 alle 4 Items.

A1 Lesen — 15 Items, 25 Minuten

TeilItemsAufgabentypTextsorte
Teil 11–5Richtig / Falsch2 Texte (E-Mail + kurzer Brief)
Teil 26–10Mehrfachauswahl (2) a/bje Item zwei Anzeigen bzw. Webseiten
Teil 311–15Richtig / Falscheinzelne Schilder mit Kontextangabe („An der Post")
Achtung

Teil 2 ist der einzige zweigliedrige Aufgabentyp in allen Goethe-Prüfungen. Suchen Sie keine dritte Option; es gibt zwei Anzeigen, und Sie wählen die passende.

A1 Schreiben — 15 Punkte, 20 Minuten

Es gibt zwei Aufgaben, und sie sind völlig verschieden:

Teil 1 — Formular ausfüllen (5 Punkte)
Sie lesen einen Kontexttext und ergänzen 5 fehlende Felder im Formular. Die Lösungen sind einzelne Wörter oder Zahlen (z. B. 4, Seeheim, bar, Sonntag). Jedes Feld zählt 1 Punkt oder 0 — halbe Punkte gibt es nicht.

Teil 2 — kurze Mitteilung (10 Punkte)
Etwa 30 Wörter, dazu 3 Leitpunkte sowie Anrede und Gruß.

KriteriumSkala
je Leitpunkt (3 Stück)3 / 1,5 / 0 → insgesamt 9
Kommunikative Gestaltung (Anrede, Gruß, Form)1 / 0,5 / 0
Gesamt10

90 % der Punkte stammen also aus den Leitpunkten. Lassen Sie einen der drei aus, sind 3 Punkte weg. Ein sprachlich schöner, aber unvollständiger Text schneidet schlechter ab als ein einfacher, aber vollständiger.

A1 Sprechen — 15 Punkte, ca. 15 Minuten

Gruppenprüfung mit höchstens 4 Teilnehmenden. Es gibt keine Vorbereitungszeit.

TeilInhaltPunkte
Teil 1Sich vorstellen (Stichworttabelle: Name, Alter, Land, Wohnort, Sprachen, Beruf, Hobby) + ein Wort buchstabieren + eine Nummer nennen3
Teil 2Wortkarte ziehen, Frage stellen, die andere Person antwortet (2 Themen: Essen & Trinken, Einkaufen)6
Teil 3Bildkarte: eine Bitte formulieren und auf eine Bitte reagieren6
Zwei Punkte, die viele übersehen

In Teil 1 werden Buchstabieren und das Nennen einer Nummer getrennt verlangt. Wer Alphabet und Zahlen nicht sicher beherrscht, verliert hier Punkte — und genau das lässt sich am leichtesten üben.

Auf A1 gibt es kein eigenes Kriterium für die Aussprache. Jede Aufgabe wird nach einem einzigen Maßstab bewertet: „Erfüllung der Aufgabenstellung und sprachliche Realisierung". Die Skala hat nur drei Stufen (voll / halb / null).

A1 Punktberechnung

Die Messpunkte jedes Teils werden mit 1,66 multipliziert und addiert:

TeilMesspunkteErgebnispunkte
Hören1525
Lesen1525
Schreiben1525
Sprechen1525
Gesamt60100

Bestehensregel: insgesamt ≥60 Punkte und Teilnahme an allen Prüfungsteilen. Eine Mindestpunktzahl pro Teil gibt es nicht — ein schwacher Teil kann durch die übrigen ausgeglichen werden.

Wichtig

Wer im schriftlichen Bereich unter 35 Punkten bleibt, wird nicht zur mündlichen Prüfung zugelassen — mit den verbleibenden Punkten sind 60 rechnerisch nicht mehr erreichbar.

NIVEAU A2

Goethe-Zertifikat A2

Das A2-Format ist identisch mit Fit in Deutsch A2 (für Jugendliche). Die schriftlichen Teile dauern 90 Minuten ohne Pause.

A2 Lesen — 20 Items, 30 Minuten

TeilItemsAufgabentypTextsorte
Teil 11–5Mehrfachauswahl (3)1 Zeitungsartikel
Teil 26–10Mehrfachauswahl (3), dritte Option immer gleichInformationstabelle (Halle A–E)
Teil 311–15Mehrfachauswahl (3)1 E-Mail
Teil 416–20Zuordnen — 6 Anzeigen (a–f); zu einem Item passt keine → „X"6 einzelne Anzeigen
Der Kniff in Teil 2

Die dritte Option lautet in jedem Item gleich — „andere Halle". Die richtige Lösung ist also entweder eine der beiden genannten Hallen oder „keine davon". Dieses Wissen verändert, wie Sie die Items lesen.

Die Falle in Teil 4

6 Anzeigen, aber 5 Items. Jede Anzeige darf nur einmal verwendet werden, und zu einem Item passt gar keine. Ausschlussverfahren funktioniert hier nicht — wer 5 Anzeigen bequem auf 5 Items verteilt, liegt falsch.

A2 Hören — 20 Items, ca. 30 Minuten

TeilItemsAufgabentypWie oft
Teil 11–5Mehrfachauswahl (3), Optionen als Textzweimal
Teil 26–10Zuordnen — 9 Bilder (a–i), den Wochentagen zugeordneteinmal
Teil 311–15Mehrfachauswahl (3), Optionen als Bildeinmal
Teil 416–20Ja / Neinzweimal
Teil 2 ist der schwierigste Abschnitt im A2-Hören

Aus einem Pool von 9 Bildern wählen Sie 5 aus und ordnen sie den Tagen zu; jedes Bild darf nur einmal verwendet werden — und dieser Teil läuft nur einmal. Nutzen Sie die Lesezeit (ca. 20 Sek.) unbedingt, um die Bilder vorher zu erfassen.

A2 Schreiben — 20 Messpunkte → 25

AufgabeTextsorteWörterLeitpunkte
Teil 1SMS20–30 Wörter3
Teil 2halbformelle E-Mail30–40 Wörter3

Jede Aufgabe wird nach zwei Kriterien bewertet:

KriteriumWas gemessen wirdABCDE
AufgabenerfüllungSprachfunktionen + Register (du/Sie)53,520,50
SpracheSpektrum des Wortschatzes + Beherrschung53,520,50

2 Aufgaben × 2 Kriterien × 5 Punkte = 20 Messpunkte → ×1,25 → 25 Ergebnispunkte

Zwei Regeln, die auf A2 die Punktzahl auf null setzen

1. Die Wortzahlregel. Unter 50 % der geforderten Länge wird die Aufgabenerfüllung automatisch mit E (0 Punkte) bewertet:

  • Teil 1: weniger als 10 Wörter → 0
  • Teil 2: weniger als 15 Wörter → 0

2. Die Sperrregel. Wird die Aufgabenerfüllung mit E bewertet, ist die Aufgabe insgesamt 0 Punkte wert — auch bei fehlerfreier Grammatik. Thema verfehlt oder zu kurz geschrieben löscht die ganze Aufgabe.

A2 Sprechen — 25 Punkte

TeilInhaltAufgabenerfüllungSprache
Teil 14 Karten: Fragen stellen und beantworten2 / 1,5 / 1 / 0,5 / 02 / 1,5 / 1 / 0,5 / 0
Teil 2Mind-Map: über sich erzählen + 1–2 Rückfragen4 / 3 / 2 / 1 / 04 / 3 / 2 / 1 / 0
Teil 3Mind-Map: gemeinsam etwas planen4 / 3 / 2 / 1 / 04 / 3 / 2 / 1 / 0
Ausspracheeinmal für die gesamte Prüfung5 / 3,5 / 2 / 0,5 / 0

Gesamt: 25 Punkte

Drei wichtige Hinweise

Die ca. einminütige Einführung zu Beginn wird nicht bewertet. Nutzen Sie sie, um ruhiger zu werden.

Die Aussprache erscheint auf A2 erstmals als eigenes Kriterium und macht 20 % der Punkte aus. Teilbereiche: Satzmelodie, Wortakzent, einzelne Laute.

Vor jeder Aufgabe stehen etwa 20 Sekunden Lesezeit zur Verfügung.

A2 Punktberechnung und Bestehensregel

TeilMesspunkteErgebnispunkte
Lesen2025
Hören2025
Schreiben2025
Sprechen—25
Gesamt100
Die am häufigsten übersehene A2-Regel: die doppelte Schwelle

60 Punkte reichen auf A2 nicht. Zusätzlich brauchen Sie:

  • mindestens 45 Punkte im schriftlichen Bereich (Lesen + Hören + Schreiben) und
  • mindestens 15 Punkte im mündlichen Bereich (Sprechen)

Fehlt eine der beiden Bedingungen, gilt die gesamte Prüfung als nicht bestanden — auch bei über 60 Gesamtpunkten.

Auf A1 gibt es diese Regel nicht. Genau hier scheitern die Teilnehmenden, die das Sprechen vernachlässigen und darauf setzen, es „schriftlich auszugleichen".

NIVEAU B1

Goethe-Zertifikat B1

B1 wurde in trinationaler Zusammenarbeit vom Goethe-Institut, dem ÖSD aus Österreich und der Universität Freiburg in der Schweiz entwickelt. Deshalb haben das Goethe-Zertifikat B1 und das ÖSD Zertifikat B1 dasselbe Format.

B1 ist modular — was heißt das?

Sie können die vier Fertigkeiten einzeln und an verschiedenen Terminen ablegen. Jedes Modul steht für sich:

  • Jedes Modul wird für sich mit 100 Punkten bewertet
  • In jedem Modul sind ≥60 Punkte einzeln nötig
  • Bei Nichtbestehen wiederholen Sie nur dieses Modul
  • Die Zahl der Wiederholungen ist unbegrenzt
  • Bei mehreren Modulen am selben Tag liegen mindestens 15 Minuten Pause dazwischen

Eine „Gesamtnote" gibt es auf B1 nicht. Wer alle vier Module bestehen will, braucht in jedem einzeln 60 Punkte.

B1 Lesen — 30 Items, 65 Minuten

TeilZeitItemsAufgabentypTextstruktur
Teil 110 Min.1–6Richtig / Falsch1 private E-Mail → 6 Items
Teil 220 Min.7–12Mehrfachauswahl (3)2 getrennte Pressetexte × 3 Items
Teil 310 Min.13–19Zuordnen — 10 Anzeigen (a–j); zu einer Situation passt keine → „0"10 Anzeigen → 7 Items
Teil 415 Min.20–26Ja / Nein7 einzelne Leserbriefe, je 1 Item
Teil 510 Min.27–30Mehrfachauswahl (3)1 Hausordnung → 4 Items
Teil 3 kostet die meisten Punkte

10 Anzeigen, 7 Items. Die Anzeige aus dem Beispiel darf nicht wiederverwendet werden, jede Anzeige nur einmal, und zu einer Situation passt keine — dort wird „0" eingetragen. Der Auswahlpool umfasst damit faktisch 11 Elemente.

Teil 4 ist anders aufgebaut

Sonst gehören viele Items zu einem Text; hier gibt es 7 eigenständige kurze Kommentare mit je einem Item: „Ist diese Person für eine Geschwindigkeitsbeschränkung?" Lesen Sie jeden Kommentar als eigenen Text.

B1 Hören — 30 Items, ca. 40 Minuten

TeilItemsAufgabentypTextstrukturWie oft
Teil 11–10R/F und Mehrfachauswahl im Wechsel5 kurze Texte × 2 Itemszweimal
Teil 211–15Mehrfachauswahl (3)1 langer Monolog → 5 Itemseinmal
Teil 316–22Richtig / Falsch1 Gespräch → 7 Itemseinmal
Teil 423–30Zuordnen — 3 Sprechende (a/b/c)1 Diskussion → 8 Itemszweimal
Lernen Sie den Rhythmus von Teil 1

Zu jedem kurzen Text gehören genau zwei Items in fester Reihenfolge — zuerst Richtig/Falsch, dann Mehrfachauswahl. Item 1 ist also R/F, Item 2 Mehrfachauswahl, Item 3 wieder R/F. Wer das weiß, hört gezielter.

Teil 4 ist eine andere Art von Zuordnung: Die Optionen sind bei jedem Item dieselben (Moderator / Experte / Elternsprecherin) und dürfen mehrfach verwendet werden. Die Regel „jede Option nur einmal" aus Lesen Teil 3 gilt hier nicht.

Teil 2 und Teil 3 laufen nur einmal — und sie enthalten die längsten Texte. In Teil 3 stammen 7 Items aus einem einzigen Gespräch.

Vor jedem Teil stehen 60 Sekunden zum Lesen der Aufgaben zur Verfügung, am Ende zusätzlich 5 Minuten zum Übertragen der Lösungen auf den Antwortbogen.

Umrechnungstabelle Lesen und Hören (B1)

Die 30 Messpunkte werden nicht durch einfache Multiplikation, sondern über eine offizielle Tabelle in die 100er-Skala umgerechnet:

RichtigPunkteRichtigPunkteRichtigPunkte
3010020671033
29971963930
28931860 ✓827
27901757723
26871653620
25831550517
24801447413
23771343310
2273124027
2170113713
00
18 von 30 richtig = bestanden Sie dürfen sich 12 Fehler leisten. Das Ziel „18 Items sichern" ist deutlich realistischer als „alles richtig machen".

B1 Schreiben — 100 Punkte, 60 Minuten

AufgabeZeitWörterTextsorteLeitpunkte
Aufgabe 120 Min.ca. 80private E-Mail an eine Freundin / einen Freund3 Leitpunkte
Aufgabe 225 Min.ca. 80Diskussionsbeitrag im Gästebuchkeine — eigene Meinung
Aufgabe 315 Min.ca. 40formelle E-Mail an die KursleitungEntschuldigung + Begründung

Jede Aufgabe wird nach vier Kriterien bewertet:

KriteriumWas gemessen wirdAufg. 1Aufg. 2Aufg. 3
ErfüllungInhalt, Umfang, Sprachfunktionen, Textsorte, Register10104
KohärenzTextaufbau (Einleitung, Hauptteil, Schluss), Verknüpfung10104
WortschatzSpektrum und Beherrschung10106
StrukturenMorphologie, Syntax, Orthografie10106
Gesamt404020

Jedes Kriterium hat fünf Stufen: A / B / C / D / E

StufeAufgabe 1–2Aufgabe 3 (Erf./Koh.)Aufgabe 3 (Wort./Str.)
A1046
B7,534,5
C523
D2,511,5
E000
Die Nullregel im B1-Schreiben

Die Fußnote der offiziellen Bewertungskriterien lautet: „Wird das Kriterium Erfüllung mit E (0 Punkten) bewertet, ist die Punktzahl für diese Aufgabe insgesamt 0 Punkte."

Wann wird die Erfüllung mit E bewertet?

  • Wenn der Textumfang unter 50 % der geforderten Wortanzahl liegt
  • Oder wenn das Thema verfehlt wurde
AufgabeGefordertNullgrenze
Aufgabe 1ca. 80 Wörterunter 40 Wörter
Aufgabe 2ca. 80 Wörterunter 40 Wörter
Aufgabe 3ca. 40 Wörterunter 20 Wörter

Selbst 35 Wörter in fehlerfreiem Deutsch kosten Sie in Aufgabe 1 alle 40 Punkte. Das ist die härteste Regel im B1-Schreiben und bestimmt Ihr Zeitmanagement: ein unvollkommener, aber fertiger Text schlägt jeden perfekten, aber unfertigen.

Die Besonderheit von Aufgabe 2: Anders als bei den beiden anderen bekommen Sie hier keine Leitpunkte. Sie lesen einen Gästebucheintrag und schreiben Ihre eigene Meinung in etwa 80 Wörtern. Der Aufbau ist frei — aber Kohärenz zählt weiterhin 10 Punkte. Überlegen Sie sich Einleitung, Hauptteil und Schluss, bevor Sie meinen, mit „Meinung gesagt" sei es getan.

B1 Sprechen — 100 Punkte, ca. 15 Minuten zu zweit

Vorbereitungszeit: 15 Minuten. Sie bereiten sich allein vor und dürfen Notizen machen. In der Prüfung wird freies Sprechen erwartet, kein Ablesen.

TeilZeitInhalt
Teil 1ca. 3 Min.Gemeinsam etwas planen — mit der Partnerin oder dem Partner anhand von 4 Leitpunkten (Wann? Wie hinkommen? Wo wohnen? Was mitnehmen?)
Teil 2ca. 3 Min.Präsentation — ein Thema anhand von 5 festen Folien (Auswahl aus zwei Themen)
Teil 3ca. 2 Min.Rückmeldung + Frage — Sie kommentieren die Präsentation der Partnerin oder des Partners und stellen eine Frage; die Fragen zu Ihrer eigenen Präsentation beantworten Sie
Die 5 Folien in Teil 2 sind bei jedem Thema gleich
  1. Thema vorstellen (Inhalt und Struktur)
  2. Meine persönlichen Erfahrungen
  3. Die Situation in meinem Heimatland
  4. Vor- und Nachteile & meine Meinung
  5. Abschluss und Dank

Diese Vorlage ändert sich nie. Welches Thema auch kommt, das Gerüst Ihrer Präsentation steht bereits fest. Es auswendig zu lernen und anpassbare Redemittel für jede Folie vorzubereiten, ist die lohnendste Vorbereitung für das B1-Sprechen.

Bewertung:

KriteriumTeil 1Teil 2Teil 3
Erfüllung81216
Interaktion (Gespräch beginnen, in Gang halten, reagieren)4——
Kohärenz (nachvollziehbarer Gedankengang)—4—
Wortschatz / Register812—
Strukturen812—
Zwischensumme284016
Aussprache — eine Note für Teil 1+2+3 zusammen16
GESAMT100

In Teil 2 hängt die Erfüllung direkt von der Zahl der behandelten Folien ab:

Angemessen behandelte FolienStufe
5 FolienA (12 Punkte)
3–4 FolienB (9 Punkte)
2 Folien (oder alle zu knapp)C (6 Punkte)
1 FolieD (3 Punkte)
0E (0 Punkte)

Eine Folie ausführlich zu behandeln und die übrigen auszulassen bringt also weniger Punkte, als alle knapp, aber vollständig abzudecken. Sprechen Sie alle fünf an.

Zur Aussprache: Auf B1 wird sie nicht je Teil, sondern mit einer einzigen Note für die gesamte Prüfung bewertet und macht 16 von 100 Punkten aus. Teilbereiche: Satzmelodie, Wortakzent, einzelne Laute.

Drei Regeln, die auf allen Niveaus gelten

1. In jedem Teil gibt es ein nicht gewertetes Beispiel

In ausnahmslos jedem Teil von A1, A2 und B1 steht ein unnummeriertes Beispiel (0). Es ist bereits gelöst, zählt nicht zur Punktzahl, wohl aber zur Zeit. Es zeigt die Logik des Teils — überspringen Sie es nicht, besonders bei den Zuordnungsaufgaben erklärt Ihnen gerade das Beispiel die Regel.

2. Bei Zuordnungsaufgaben gibt es die Option „keine davon"

In A2 Lesen Teil 4 als „X", in B1 Lesen Teil 3 als „0". Das ist eine bewusste Falle: Sie durchkreuzt die Strategie, die übrig gebliebene Option dem übrig gebliebenen Item zuzuweisen.

3. Wörterbücher und Mobiltelefone sind verboten

In allen Teilen. Auf den Kandidatenblättern steht es ausdrücklich: „Hilfsmittel wie z. B. Wörterbücher oder Mobiltelefone sind nicht erlaubt."

Häufige Fragen

Wie viele richtige Lösungen brauche ich im Goethe-Zertifikat B1?

In den Modulen Lesen und Hören genügen 18 von 30 richtigen Lösungen (das ergibt 60 Punkte). Schreiben und Sprechen werden kriterienbasiert bewertet; auch dort sind 60 von 100 Punkten nötig.

Ich hatte auf A2 60 Punkte und bin trotzdem durchgefallen — warum?

Sehr wahrscheinlich wegen der doppelten Schwelle. Auf A2 reichen 60 Gesamtpunkte nicht: Sie brauchen zusätzlich mindestens 45 Punkte im schriftlichen und mindestens 15 Punkte im mündlichen Bereich. Fehlt eine der beiden Bedingungen, gilt die Prüfung unabhängig von der Gesamtpunktzahl als nicht bestanden.

Kann ich auf B1 ein einzelnes Modul wiederholen?

Ja. B1 ist eine modulare Prüfung; die vier Fertigkeiten werden einzeln abgelegt und dürfen unbegrenzt wiederholt werden. Haben Sie drei Module bestanden und eines nicht, wiederholen Sie nur dieses. Auf A1 und A2 ist das nicht möglich — dort wird die gesamte Prüfung wiederholt.

Was passiert, wenn ich im Schreiben die Wortzahl überschreite?

Zu viel zu schreiben kostet unmittelbar keine Punkte, wohl aber Zeit, und erhöht die Fehlerzahl. Die eigentliche Gefahr ist zu wenig zu schreiben: Unter 50 % der geforderten Wortanzahl gibt es für diese Aufgabe null Punkte.

Lege ich die mündliche Prüfung allein ab?

Auf A2 und B1 findet die Prüfung zu zweit statt (bei ungerader Teilnehmerzahl ist auch eine Einzelprüfung mit verkürzter Zeit möglich). Auf A1 handelt es sich um eine Gruppenprüfung mit höchstens 4 Teilnehmenden. Auf A2 und B1 erfordern einige Aufgaben die direkte Interaktion mit der Partnerin oder dem Partner.

Meine Aussprache ist schwach — wie viele Punkte verliere ich?

Das hängt vom Niveau ab:

  • Auf A1 gibt es kein eigenes Aussprachekriterium — es geht in der Gesamtbewertung auf
  • Auf A2 sind es 5 von 25 Punkten (20 %)
  • Auf B1 sind es 16 von 100 Punkten (16 %)

Auf beiden Niveaus wird die Aussprache einmal für die gesamte Prüfung bewertet, nicht je Aufgabe.

Wie oft werden die Hörtexte vorgespielt?

Das ist je nach Teil verschieden — und gehört zu den wichtigsten Details der Prüfung:

Niveauzweimaleinmal
A1Teil 1, Teil 3Teil 2
A2Teil 1, Teil 4Teil 2, Teil 3
B1Teil 1, Teil 4Teil 2, Teil 3

Die nur einmal gespielten Teile enthalten meist die längsten Texte. Beim ersten Hören nachzulassen, setzt auf A2 und B1 jeweils 10 Items aufs Spiel.

Wie sollte man lernen? — Was die Bewertung verrät

Wer die obigen Tabellen gelesen hat, hat die Lernstrategie schon fast vor sich:

1. Setzen Sie sich das richtige Ziel. Auf B1 lautet es nicht 30/30, sondern 18/30 sichern. Holen Sie sichere Punkte dort, wo Sie stärker sind.

2. Im Schreiben erst fertig werden, dann verschönern. Die Wortzahlgrenze steht über der Qualität. Richten Sie Ihr Zeitmanagement auf „jede Aufgabe abschließen" aus.

3. Zählen Sie Ihre Leitpunkte beim Schreiben mit. Auf A1 und A2 stammt der Großteil der Punkte daraus. Prüfen Sie am Ende: Habe ich wirklich alle drei behandelt?

4. Sprechen Sie in der B1-Präsentation alle fünf Folien an. Die Stufe für Erfüllung hängt direkt an der Zahl der behandelten Folien. Es zählt die Abdeckung, nicht die Tiefe.

5. Üben Sie gezielt für die nur einmal gespielten Teile. Auf A2 und B1 sind Teil 2 und Teil 3 zugleich die längsten und die einmalig gespielten. Notiztechnik ist dort entscheidend.

6. Vernachlässigen Sie auf A2 das Sprechen nicht. Wegen der doppelten Schwelle macht eine mündliche Punktzahl unter 15 alles andere zunichte.

Dieser Ratgeber beruht auf den offiziellen Modellsätzen / Übungssätzen des Goethe-Instituts und den Durchführungsbestimmungen (Stand 01.09.2025).
Prüfungsformate können aktualisiert werden; bitte prüfen Sie vor der Anmeldung die aktuellen Angaben Ihres Prüfungszentrums.

telc Deutsch

A1 – B1

Demnächst

Der telc-Formatratgeber entsteht gerade

Aufbau, Aufgabentypen und Bewertungssystem der telc-Deutsch-Prüfungen — in derselben Ausführlichkeit wie beim Goethe-Ratgeber — folgen in Kürze.

Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ)

Eine Prüfung, ein Ergebnis auf zwei Niveaus — Aufbau, Aufgabentypen und Bewertung

Der DTZ unterscheidet sich von allen anderen Deutschprüfungen in einem grundlegenden Punkt: Sie wählen bei der Anmeldung kein Niveau. Sie legen eine einzige Prüfung ab, und die Prüfung entscheidet, ob Ihr Ergebnis A2 oder B1 lautet. „Sich für B1 anmelden" gibt es nicht — B1 wird erreicht oder nicht.

Der DTZ ist die Abschlussprüfung des Integrationskurses. Er wurde vom Goethe-Institut und von telc gemeinsam entwickelt und misst den Bereich zwischen A2 und B1 auf einer einzigen Skala. Für Aufenthaltstitel, Einbürgerung und den Kursabschluss ist er die am häufigsten verlangte Prüfung.

Dieser Ratgeber stützt sich auf die offiziellen Übungssätze 1 und 2 sowie auf das DTZ-Prüfungshandbuch (Prüfungsziele / Testbeschreibung). Jede Tabelle stammt aus einer offiziellen Quelle; keine Vermutungen.

Hinweis zum Umfang

Prüfungsgebühren, Anmeldetermine und die Bedingungen einer Wiederholung stehen hier nicht, da sie sich ändern — es geht ausschließlich um Aufbau und Bewertung. Dafür wenden Sie sich an Ihren Kursträger oder an das BAMF.

Aufbau der Prüfung

PrüfungsteilTeileItemsZeitMax. Punkte
Hören420ca. 25 Min.20
Lesen52545 Min.25
Schreiben1 Aufgabe (Wahl aus zwei)30 Min.20
Sprechen3 Aufgabenca. 16 Min.100
Der wichtigste strukturelle Unterschied: Hören und Lesen werden zusammen bewertet

Bei den Goethe-Prüfungen wird jede Fertigkeit für sich bewertet. Beim DTZ werden Hören (20) und Lesen (25) in einem Pool zusammengefasst: 45 Punkte. Ihr Niveau ergibt sich aus dieser einen Zahl.

Praktische Folge: Was Sie im Hören verlieren, können Sie im Lesen ausgleichen. Wer im Hören 11 und im Lesen 22 Punkte erreicht, liegt mit 33 im B1-Bereich — in einer Prüfung, die das Hören einzeln bewertet, wäre diese Person durchgefallen.

Alle Hörtexte werden nur einmal abgespielt

Bei Goethe laufen einzelne Teile zweimal. Beim DTZ wird ausnahmslos keiner wiederholt — alle vier Teile nur einmal. Die nötigen Pausen sind in der Aufnahme enthalten.

Lesen und Schreiben bilden einen Block: 75 Minuten

Im schriftlichen Teil wird die Zeit nicht in 45 Minuten Lesen und 30 Minuten Schreiben getrennt abgenommen; Sie teilen die 75 Minuten selbst ein. Das sieht nach Freiheit aus, ist aber das eigentliche Risiko: Wer sich im Lesen verliert und dem Schreiben 10 Minuten übrig lässt, drückt die Schreibpunktzahl — und Schreiben ist, wie unten zu sehen, eines der beiden schriftlichen Standbeine, die über das Niveau des Zeugnisses entscheiden.

Im Sprechen gibt es keine Vorbereitungszeit. Die 15 Minuten Notizzeit aus dem Goethe-Zertifikat B1 haben beim DTZ keine Entsprechung; Sie nehmen die Aufgabe und beginnen zu sprechen. Die Prüfung findet in der Regel zu zweit statt (bei Bedarf einzeln). Zwei Prüfende sind anwesend: eine Person führt das Gespräch, die andere bewertet.

20 ITEMS · 20 PUNKTE

DTZ Hören — 20 Items, ca. 25 Minuten

TeilItemsAufgabentypTextsorteWie oft
Teil 11–4Mehrfachauswahl (3)Ansage am Telefon, öffentliche Durchsageeinmal
Teil 25–9Mehrfachauswahl (3)Radioinformationeinmal
Teil 310–17R/F und Mehrfachauswahl im Wechsel4 Alltagsgespräche × 2 Itemseinmal
Teil 418–20Zuordnen — 3 Sprechenden je eine von 6 Aussagen (a–f)Meinungsäußerungeneinmal
Teil 3 hat einen festen Rhythmus

Sie hören vier getrennte Gespräche, und zu jedem Gespräch gehören genau zwei Items — eines Richtig/Falsch, eines Mehrfachauswahl. Ist Item 10 also R/F, dann ist Item 11 Mehrfachauswahl, danach wieder R/F. Wer das weiß, weiß vor dem Gespräch, auf welche zwei Informationen er hören muss.

In Teil 4 ist der Pool größer als die Zahl der Items

Es gibt drei Sprechende, aber sechs Aussagen (a–f). Jedem Sprechenden ordnen Sie eine Aussage zu; drei Aussagen bleiben ungenutzt. Die Option „keine davon (X)" aus den Goethe-Zuordnungsaufgaben gibt es hier nicht — zu jedem Sprechenden gehört genau eine Aussage. Die Strategie ist daher nicht Ausschluss, sondern das Detail zu erfassen, das die drei Sprechenden voneinander unterscheidet.

Vor jedem Teil steht Zeit zum Lesen der Aufgaben zur Verfügung, und diese Zeit ist Teil der Aufnahme. Dieser kurze Moment ist beim DTZ wichtiger als bei Goethe: Da der Text nicht wiederholt wird, ist das Vorauslesen der Aufgaben Ihr einziger Vorsprung.

25 ITEMS · 25 PUNKTE

DTZ Lesen — 25 Items, 45 Minuten

TeilItemsAufgabentypTextsorte
Teil 11–5Zuordnung zu einer von drei Rubriken (a/b/c)Katalog, Register, Verzeichnis
Teil 26–10Zuordnen — 8 Anzeigen (a–h); zu einer Situation passt keine → „X"8 einzelne Anzeigen
Teil 311–16Mehrfachauswahl (3) und R/F im WechselPressetext, formelle Mitteilung
Teil 417–19Richtig / FalschInformationsbroschüre (z. B. Medikamenteninfo)
Teil 520–25Lückentext — je Lücke drei Optionenformeller Brief
Teil 2 ist doppelt heikel

8 Anzeigen, 5 Situationen. Drei Anzeigen bleiben also ohne Verwendung. Zusätzlich passt zu einer Situation keine einzige Anzeige, und dort wird „X" eingetragen. Ergebnis: Nur vier der fünf Situationen haben eine echte Anzeige.

Damit ist das Ausschlussverfahren hier völlig wertlos. Wer denkt „die übrig gebliebene Anzeige gehört zur übrig gebliebenen Situation", verliert zwei Items auf einmal. Sie müssen jede Situation einzeln gegen alle acht Anzeigen prüfen.

Teil 5 ist die einzige Grammatikstelle der Prüfung

In einem formellen Brief füllen Sie sechs Lücken, und die Optionen sind meist verschiedene Formen desselben Wortes oder eng benachbarte Konnektoren- und Präpositionenpaare. Während alle anderen Teile das Verstehen prüfen, wird hier direkt Grammatik gemessen.

Die gute Nachricht fürs Lernen: Diese 6 Punkte stammen aus einer auflistbaren Menge an Themen — Präpositionen, Konnektoren, Verbformen, Adjektivendungen. Kein anderer Teil belohnt gezieltes Üben so stark.

Verwechseln Sie Teil 1 nicht mit Teil 2. Beide sehen wie „Zuordnung" aus, folgen aber unterschiedlicher Logik: In Teil 1 wählen Sie für jedes Item eine von drei festen Rubriken (die Optionen verbrauchen sich nicht und dürfen mehrfach vorkommen); in Teil 2 greifen Sie auf einen gemeinsamen Pool von acht Anzeigen zu, und jede Anzeige darf nur einmal verwendet werden.

20 PUNKTE

DTZ Schreiben — 20 Punkte, 30 Minuten

Sie schreiben eine einzige Aufgabe. Zwei Aufgabenstellungen werden angeboten, Sie wählen eine davon — beide sind ein halbformeller oder formeller Brief bzw. eine E-Mail mit jeweils 4 Leitpunkten.

Beim DTZ gibt es keine Wortzahlvorgabe

Die Goethe-Regel „ca. 80 Wörter, darunter null Punkte" hat beim DTZ keine Entsprechung. Die offizielle Anweisung nennt keine Zahl, sondern fordert, „möglichst viel" zu schreiben. Bewertet wird nicht der Umfang, sondern die Bearbeitung der vier Leitpunkte.

Das heißt nicht, dass Kürze gratis ist: Ein kurzer Text lässt die Leitpunkte unvollständig oder unverständlich und senkt damit die Inhaltsnote ohnehin. Der Unterschied ist, dass die Strafe nicht aus dem Wortzähler kommt, sondern aus dem Inhalt.

Vier Kriterien, je 5 Punkte

KriteriumWas gemessen wirdPunkte
Inhaltliche AngemessenheitWie viele der vier Leitpunkte bearbeitet wurden0–5
Kommunikative GestaltungTextsorte, Anrede und Gruß, Register (du/Sie)0–5
KorrektheitMorphologie, Syntax, Orthografie0–5
WortschatzSpektrum und Beherrschung0–5
Gesamt20

Wie entsteht die Inhaltsnote? — Die offizielle Staffel

Diese Tabelle erklärt das DTZ-Schreiben vollständig. Der Maßstab hat zwei Stufen: Ein Leitpunkt ist entweder „angemessen" bearbeitet (vollständig, der Leser muss nichts ergänzen) oder nur „mit Kooperation des Lesers" (erwähnt, aber der Leser muss mitdenken).

PunkteBedingung
5Alle vier Leitpunkte angemessen bearbeitet
4Alle vier bearbeitet, aber mit Kooperation  oder  drei angemessen
3Drei bearbeitet, aber mit Kooperation  oder  zwei angemessen
2Zwei bearbeitet, aber mit Kooperation  oder  einer angemessen
1Nur einer bearbeitet, und dieser mit Kooperation
0Kein Leitpunkt bearbeitet  oder Thema verfehlt
Zwei harte Folgerungen aus dieser Tabelle

1. Drei perfekt bearbeitete Leitpunkte bringen keine Höchstnote. „Drei angemessen" sind laut Tabelle 4 Punkte, nicht 5. Der fünfte Punkt wird nur vergeben, wenn alle vier bearbeitet sind. Drei schön auszuführen und den vierten zu überspringen ist nicht besser, als alle vier knapp, aber vollständig abzudecken.

2. Thema verfehlt heißt Inhalt null. Auch bei fehlerfreier Grammatik. Die Situation des Briefes falsch zu verstehen löscht dieses Kriterium vollständig.

Auswertung: Zwei geschulte Bewertende beurteilen den Text unabhängig voneinander; das Ergebnis ist das arithmetische Mittel beider Bewertungen.

Niveauschwellen: von 20 Punkten bedeuten 15 und mehr → B1, 7–14 → A2, 6 und weniger → unter A2.

100 PUNKTE

DTZ Sprechen — 100 Punkte, ca. 16 Minuten

Es gibt keine Vorbereitungszeit. Die Prüfung findet meist zu zweit statt. Zwei Prüfende sind anwesend: eine Person führt das Gespräch, die andere bewertet — und beide bewerten unabhängig voneinander, das Ergebnis ist das Mittel.

TeilInhaltZeit
Teil 1Sich vorstellen — Name, Geburtsort, Wohnort, Arbeit/Beruf, Familie, Sprachen; anschließend Nachfragen der Prüfendenca. 2 Min.
Teil 2 AEin Foto beschreiben — Was ist zu sehen, welche Situation liegt vorca. 3 Min.
Teil 2 BÜber das Thema sprechen — eigene Erfahrungen und die Situation im Heimatlandca. 3 Min.
Teil 3Gemeinsam planen — mit der Partnerin oder dem Partner etwas organisieren (z. B. eine Kursabschlussparty: Ort, Essen und Getränke, Musik, Kosten, Aufgabenverteilung)ca. 6 Min.

Die Bewertung läuft über zwei Achsen

Beim DTZ-Sprechen geht die Hälfte der Punkte darauf, was Sie sagen, und die Hälfte darauf, wie Sie es sagen:

AchseWie vergebenPunkte
Inhaltliche Angemessenheit
Inhalt — wurde die Aufgabe erfüllt
für jede Teilaufgabe einzeln (1, 2A, 2B, 3)50
Sprachliche Angemessenheit
Sprache — vier Kriterien
einmal für die gesamte Prüfung50
GESAMT100

Die vier Kriterien der sprachlichen Achse und ihre Gewichtung:

KriteriumWas gemessen wirdPunkte
Aussprache / IntonationAussprache, Satzmelodie, Wortakzent10
FlüssigkeitRedefluss — Pausen, Wiederholungen, Tempo10
Korrektheitgrammatische Richtigkeit15
WortschatzSpektrum und Beherrschung15
Zwischensumme50

Diese Verteilung sagt etwas Klares: Korrektheit und Wortschatz wiegen das Eineinhalbfache der Aussprache. Auch mit hörbarem Akzent bringen korrekte Formen und abwechslungsreiche Wörter mehr Punkte. Aussprachetraining zahlt sich weniger aus als Grammatiktraining.

Das Sprechen entscheidet über das Zeugnis

Bevor Sie die Zeugnisregel unten lesen, dieser Satz: Wer im Sprechen unter A2 bleibt (unter 35 Punkten), bekommt überhaupt kein Zeugnis — unabhängig davon, wie viele Punkte im schriftlichen Bereich erreicht wurden.

Und umgekehrt: Das Sprechen muss das angestrebte Niveau immer erreichen. Im schriftlichen Bereich gibt es Spielraum, im Sprechen keinen.

Eine Anmerkung: In Teil 3 wird Interaktion erwartet — fragen, auf Vorschläge reagieren, sich einigen. Wenn die Partnerin oder der Partner schweigt, ist das nicht Ihr Nachteil; im Gegenteil, das Gespräch zu tragen wird Ihnen angerechnet. Der Partnerin oder dem Partner Raum zu lassen, ohne in einen Monolog zu verfallen, ist die eigentliche Kompetenz in Teil 3.

Bewertung und Zeugnisregel

Hier liegt der Kern des DTZ. Jeder Prüfungsteil wird für sich in ein Niveau übersetzt (B1 / A2 / unter A2), und aus diesen drei Niveaus entsteht ein einziges Gesamtergebnis.

Schritt 1 — Jeder Teil wird in ein Niveau übersetzt

Prüfungsteilunter A2A2B1Max.
Hören + Lesen0–1920–3233–4545
Schreiben0–67–1415–2020
Sprechen0–34,535–74,575–100100

Dass im Sprechen halbe Punkte auftauchen, liegt daran, dass das Mittel zweier Bewertungen gebildet wird.

Schritt 2 — Drei Niveaus werden zu einem Ergebnis

Die Zeugnisregel

Zeugnis B1: Sprechen auf B1 und mindestens eines der schriftlichen Standbeine (Hören+Lesen oder Schreiben) auf B1.

Zeugnis A2: Sprechen mindestens A2 und mindestens eines der schriftlichen Standbeine mindestens A2.

Kein Zeugnis: Sprechen unter A2 — alles andere wird dann nicht mehr betrachtet.

Die Regel in einem Satz: Das Sprechen setzt das Niveau, der schriftliche Bereich bestätigt es. Schriftlich genügt es, wenn eines der beiden Standbeine das Niveau hält; im Sprechen gibt es kein Entgegenkommen.

Beispiel 1 — erreicht B1 Hören+Lesen 34 (B1) · Schreiben 9 (A2) · Sprechen 78 (B1) → Zeugnis B1. Obwohl das Schreiben im A2-Bereich bleibt, lautet das Gesamtergebnis B1, weil das Sprechen B1 ist und eines der schriftlichen Standbeine (Hören+Lesen) ebenfalls B1.
Beispiel 2 — hier irren sich fast alle

Hören+Lesen 41 (B1) · Schreiben 18 (B1) · Sprechen 70 (A2) → Zeugnis A2.

Der gesamte schriftliche Bereich liegt im B1-Bereich. Aber weil das Sprechen fünf Punkte unter 75 bleibt, lautet das Gesamtergebnis A2. 41 von 45 richtigen Lösungen retten diese Person nicht.

Genau das ist die häufigste Enttäuschung beim DTZ — und der Grund ist einfach: Die Hälfte der Punkte (100 von 200) liegt im Sprechen, aber fast die ganze Vorbereitung fließt in den schriftlichen Teil.

Was steht im Zeugnis? Ausgewiesen werden sowohl das Gesamtergebnis (A2 oder B1) als auch das Niveau jedes einzelnen Prüfungsteils. „Ich habe B1" bedeutet also nicht, dass alle Teile B1 sind; das Zeugnis zeigt die Einzelheiten.

Häufige Fragen

Melde ich mich zum DTZ für A2 oder für B1 an?

Nein, es gibt keine Wahl — es existiert nur ein DTZ, und alle legen dieselbe Prüfung ab. Das Niveau ergibt sich aus Ihrer Leistung. Das ist der grundlegendste Unterschied zu den Goethe- und telc-Prüfungen.

Im Hören war ich schwach, im Lesen gut — bin ich durchgefallen?

Höchstwahrscheinlich nicht. Beim DTZ werden Hören und Lesen zusammen gezählt: ein Pool von 45 Items. Für B1 sind 33, für A2 20 richtige Lösungen nötig. Woher sie stammen, spielt keine Rolle — was Sie im Hören verlieren, können Sie im Lesen ausgleichen.

Werden die Hörtexte zweimal abgespielt?

Nein. Beim DTZ läuft jeder Text nur einmal — in allen vier Teilen. Für Teilnehmende, die von Goethe gewohnt sind, dass einzelne Teile zweimal laufen, ist das die größte Überraschung, und sie macht Notiztechnik unverzichtbar.

Wie viele Wörter muss ich im Schreiben schreiben?

Es gibt keine offizielle Wortzahl. Die Anweisung lautet, „möglichst viel" zu schreiben. Bewertet wird, wie vollständig die vier Leitpunkte bearbeitet sind. Die Goethe-Regel „unter 50 % der Wortzahl gibt null Punkte" gilt beim DTZ nicht — unvollständige Leitpunkte senken die Inhaltsnote aber unmittelbar.

Bekomme ich die Höchstnote, wenn ich drei der vier Leitpunkte perfekt bearbeite?

Nein. Laut offizieller Tabelle sind „drei Leitpunkte angemessen" 4 Punkte, nicht 5. Die Höchstnote erhält nur, wer alle vier bearbeitet. Es zählt die Abdeckung, nicht die Tiefe — behandeln Sie unbedingt alle vier Punkte.

Schriftlich habe ich B1, im Sprechen A2 — wie lautet mein Ergebnis?

A2. Das Sprechen muss das Niveau des Gesamtergebnisses immer erreichen. Selbst wenn beide schriftlichen Standbeine im B1-Bereich liegen, wird bei einem Sprechen auf A2 ein A2-Zeugnis ausgestellt. Liegt das Sprechen unter A2, gibt es gar kein Zeugnis.

Gibt es im Sprechen eine Vorbereitungszeit?

Nein. Die 15 Minuten Notizzeit aus dem Goethe-Zertifikat B1 haben beim DTZ keine Entsprechung. Sie nehmen die Aufgabe und sprechen sofort. Deshalb ist es die lohnendste Vorbereitung für das DTZ-Sprechen, feste Redemittel für die Bildbeschreibung in Teil 2 und das gemeinsame Planen in Teil 3 auswendig zu lernen.

Sind der DTZ und das Goethe-Zertifikat B1 dasselbe?

Nein, es sind zwei verschiedene Prüfungen. Die Unterschiede sind struktureller Art:

DTZGoethe B1
Niveauwahlkeine — Ergebnis A2 oder B1festes B1
Modular?neinja — vier getrennte Module
Hören + Lesenzusammen bewertet (45)getrennte Module (je 100)
Hörtextealle einmalTeil 1 und 4 zweimal
Schreiben1 Aufgabe, keine Wortzahl3 Aufgaben, Wortzahlgrenze
Vorbereitung Sprechenkeine15 Minuten
BestehenslogikNiveaubereich + Sprechen-Bedingung≥60 pro Modul

Die Vorbereitung auf eine der beiden bereitet nicht automatisch auf die andere vor; Aufgabentypen und Bewertungslogik unterscheiden sich.

Kann ich den DTZ wiederholen?

Für Teilnehmende des Integrationskurses besteht eine Wiederholungsmöglichkeit, die Bedingungen und die Kostenfrage legt jedoch das BAMF fest und sie können sich ändern. Für Ihren Fall wenden Sie sich an Ihren Kursträger oder an das BAMF — diese Seite beschreibt ausschließlich den Aufbau der Prüfung.

Wie sollte man lernen? — Was die Bewertung verrät

Die Bewertungslogik des DTZ ordnet die Lernprioritäten deutlich anders als bei Goethe:

1. Stellen Sie das Sprechen an die erste Stelle. 100 der insgesamt 200 Punkte liegen im Sprechen, und dort entscheidet sich das Niveau des Zeugnisses. Eine perfekte schriftliche Punktzahl bringt kein B1, wenn das Sprechen die 75 nicht hält. Die meisten Teilnehmenden machen genau das Gegenteil.

2. Setzen Sie sich das Ziel „33 von 45". Weil Hören und Lesen zusammen gezählt werden, dürfen Sie sich 12 Fehler leisten. Holen Sie sichere Punkte dort, wo Sie stärker sind — ein schwaches Hören lässt sich über das Lesen schließen.

3. Üben Sie Notiztechnik. Jeder Text läuft nur einmal. Das macht eine technische Fertigkeit unverzichtbar: beim Hören nicht die Frage, sondern die Antwort markieren und ein verpasstes Item sofort loslassen, um das nächste nicht zu verlieren.

4. Zählen Sie die vier Leitpunkte beim Schreiben mit. Es gibt keine Wortzahlgrenze, aber die Inhaltsstaffel verlangt alle vier. Zählen Sie am Ende nach: eins, zwei, drei, vier.

5. Teilen Sie die 75 Minuten vorab ein. Lesen und Schreiben sind ein Block. Ohne Blick auf die Uhr bleiben dem Schreiben 10 Minuten. Setzen Sie sich eine Grenze: nach 45 Minuten ist das Lesen beendet — auch unvollständig.

6. Üben Sie Lesen Teil 5 gezielt. Die einzige Grammatikstelle der Prüfung, 6 Punkte, und eine begrenzte Themenmenge: Präpositionen, Konnektoren, Verbformen, Adjektivendungen. Kein Teil bringt pro Lernaufwand mehr.

7. Investieren Sie im Sprechen in Grammatik statt in Aussprache. Von den 50 Punkten der sprachlichen Achse zählen Korrektheit und Wortschatz je 15, Aussprache und Flüssigkeit je 10. Statt sich über den hörbaren Akzent zu sorgen, bringen sichere Formen und ein breiterer Wortschatz mehr Punkte.

Dieser Ratgeber beruht auf den offiziellen DTZ-Übungssätzen 1 und 2, dem DTZ-Prüfungshandbuch (Prüfungsziele / Testbeschreibung — Goethe-Institut und telc) sowie der Übersicht „Der DTZ auf einen Blick" von gast.de.
Prüfungsformate können aktualisiert werden; bitte prüfen Sie vor der Prüfung die aktuellen Angaben Ihres Kursträgers und Ihres Prüfungszentrums.

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